Die Küche
 
Der Tag beginnt mit dem müden Einlauf der Akteure, es ist noch Zeit für persönliche Sticheleien und Geplänkel zwischen den Köchen und Kellnerinnen, die mindestens sechs Nationalitäten vertreten. Textphasen und Geräusche sind so aufeinander abgestimmt, daß der Zuschauer das gesprochene Wort ohne Mühe versteht. Das ist eben auch "Theater der Klänge". Bewegungen, Worte und der Küchenlärm schwellen schließlich an bis zum Orkan: Jetzt ist Mittagsservice, totale Hektik. Der Zuschauer wird abrupt in die Pause entlassen. Fast träumerisch geht es danach weiter, wenn Köche und Kellnerinnen aus ihrer Pause nacheinander zurückkehren. Es ist sogar Zeit für ein spielerisches Gefecht mit Schöpflöffel und Schneebesen. Wenn der Restaurant-Besitzer Marango wieder beginnt, schlurfend seine Kontrollrunde zwischen Töpfen und Pfannen zu drehen ahnt der Zuschauer: Das Tempo wird sich wieder steigern - bis zum hektischen Abendservice. Soweit kommt es nicht. Der Deutsche Peter, der auch an diesem Tag einiges ausgeteilt hat, aber auch einstecken mußte, dreht durch, als ihm die Kellenerin Monique die Freundschaft kündigt. Er zerhackt mit dem Küchenbeil die Gasleitung. Er hat damit die Menschenmaschine, in der jeder einzelne nur ein kleines Rädchen ist, zum Stillstand gebracht. Betroffenheit weicht dem Druck der Arbeitshetze.
Das Gastgewerbe
 
 
"Die moderne Arbeitsbühne" hätte die Truppe ihre Produktion auch nennen können, aber diesmal wurde auf ein bestehendes Stück zurückgegriffen. Wenn als Höhepunkt der Mittagsservice wie ein Orkan über die Küche hereinbricht, dann wird die Geräuschmusik zur Kakophonie und die Choreografie gerät in einen Geschwindigkeitsrausch. Schon bei der Vorpremiere war das ein Genuß fürs Auge, und man spürte auch mit Beklemmung, wie der Druck in diesem Hexenkessel Küche steigt.
Düsseldorfer Illustrierte
 
 
Riesenapplaus bei der Premiere im Theaterhaus. Es ist schon eine beachtliche Fleißarbeit, die Lensing und das Ensemble leisten: Nicht weniger als 24 Akteure hantieren gleichzeitig in Mr. Marangos Restaurant. Und wenn sie in der riesigen mit Herden, Tischen und Öfen opulent ausgestatteten Großküche hacken, schneiden, braten, dann sieht das auch im Detail überzeugend echt aus. Hier werden Menschen auf Funktionen zurechtgestutzt. Wenn die Kellnerinnen hereinrasen, den Köchen die Bestellungen entgegen- und diese die Bestätigung zurückrufen, ergibt sich ein Rhythmus, der die Automatik dieser Schufterei verdeutlicht.
Neue Rhein Zeitung
 
 
Hier sitzt jeder einzelne der pantomimischen Arbeitsgriffe und gipfelt im elegant choreografierten Chaos des Mittags-Service, der den Teil vor der Pause beschließt. Fast ausnahmslos prächtig agieren die Darsteller: Unter ihnen Jörg Balschun als Peter, Veronika Böhle als Salatköchin und vor allem die heimliche Hauptfigur des Abends, Heiko Seidel als sächselnder "Zoni" Konrad.
Rheinische Post
 
 
Die Bühne von Jürgen Steger, ein einziger Augenschmaus, gibt die herrliche Atmosphäre einer Großküche mit Schwingtüren wieder: Ein weiß-Grauer Irrgarten aus Herden, Tischen, Arbeitsplatten und Theke. Jeder der Ankömmlinge kultiviert seinen Auftritt, eine internationale Belegschaft aus Deutschen, Franzosen, Engländern und Griechen. Es wird getanzt, geflirtet, geschlagen und geschwätzt: über Arbeit, Liebe, Leben und Phantasie. Zwei fallen aus dem Rahmen: Heiko Seidel, ein Neuer von Drüben, aus Halle. Mit seinem gekonnten Akzent ist er vielleicht die Krönung des Abends. Jedenfalls hat er die Lacher auf seiner Seite. Neben ihm kann sich nur noch Jörg Balschun behaupten. Der baut sich seinen Triumphbogen aus Eimern, Töpfen und Besenstock, ein unverbesserlicher Tagträumer mit dem mittelalterlichen Bild vom Ritter.
Westdeutsche Zeitung
 
 
Viel Mühe wurde aufgewendet, um die Arbeitsvorgänge einzustudieren, die detailgetreu, aber ohne reale Lebensmittel, quasi als Pantomime ablaufen. Denn auch die Aufführung der "Küche" will ein Gesamtkunstwerk sein, die Arbeitswelt als Höllenmaschine zeigen, in der unter hohem Druck der Mensch als Rädchen funktioniert. Höhepunkt ist der Mittagsservice, der sich in der Bewegung zu einem rasanten Ballett, in der Akustik mit Geklapper und Geschrei zu einer Kakophonie steigert.
Die deutsche Bühne
 
zurück
     
  25 Jahre THEATER DER KLÄNGE