Figur und Klang im Raum
 
Keine Angst! So spröde, wie sein Titel befürchten läßt, ist dieser Abend keineswegs. Das achtzigminütige Spektakel, läßt seinen geistreichen Vater Oskar Schlemmer gleich zu Beginn ausführlich zu Worte kommen. Zitiert wird er von einem jungen Mann im weißen Hemd und schwarzer Fliege, der sich wie eine Conferencier eines verunglückenden Bunten Abends immer wieder im prompt verlöschenden Scheinwerferkegel postiert, Ärger mit dem nicht funktionierenden Mikro hat, schließlich aber doch ganz locker ein paar Sätze Schlemmer ("Man sei so unvoreingenommen wie möglich!") ans Publikum richtet. Kaum ist er wieder fort, nehmen sechs Gestalten in breitschultrig ausgepolsterten Trikots seinen Platz ein. Vor einer Leinwand, über die Ziffern, Wörter und geometrische Figuren wandern, schreiten sie in kurzen, abgezirkelten Bahnen über ein auf die Bühne gemaltes Muster aus weiß umrandeten Quadraten und Diagonalen. Begleitet werden ihre eckigen Bewegungen von einer Klang- und Geräuschcollage, die aus mehreren vor und hinter den Zuschauern postierten Lautsprechern dringt. Zwischendurch zischelt man einander, wie ratlos und hilfesuchend, Satzfetzen zu. Dann wieder brabbeln zwei in einer völlig unverständlichen Phantasiesprache oder scheinen den Boden durch Aufstampfen die seltsamsten Töne zu entlocken. Und schließlich wirbeln alle sieben Mitwirkenden durch einen Reigen flüchtig angedeuteter Rollen-Spiele, die vom scheuen Flirt zum heftigen Konkurrenzkampf, von der plumpen Anmache zur rotzigen Abfuhr reichen. Besonders in solchen Augenblicken erweist sich die neue Produktion nicht nur als eigenwillig und ehrgeizig, sondern als fraglos brilliant. Das multinationale Ensemble überzeugt durch tänzerische Präzision; und nicht weniger Respekt fordert einem das hohe technische Niveau der Licht- und Tonmischung ab.
Rheinische Post
 
 
"Figur und Klang im Raum" nennt das Theater der Klänge sein perfektes High-Tech-Spektakel, mit dem es die Premierenbesucher in einen vibrierenden Klangrausch versetzte. Die unsichtbare elektronische Steuerung verlängert das natürliche Stimmvolumen der menschlichen Stimme und entfacht eine an technischer Perfektion kaum zu überbietende Licht- und Klang-Schau. Trotz der Technik behauptet sich der verblüfft entdeckende Mensch, ähnlich wie eine Marionette, die allmählich zum Leben erweckt wird. Die sieben Akteure überzeugen dabei besonders durch ihre köstliche Mimik.
Neue Rhein Zeitung
 
 
Diese Technik funktioniert so perfekt (und verselbständigt sich in ihren besten Momenten immer wieder), daß der Zuschauer nicht an eine ständige Steuerung durch die Darsteller selbst glauben mag. Aber trotzdem, das Bühnengeschehen fesselt allein (...) und es bleibt die Hoffnung, daß sich Irgendwann einmal die Technik einer scheinbar perfekten Stadttheater-Inszenierung verselbständigt und den Abend zu einem echten Erlebnis macht. So wie die witzigen, spritzigen und selbstironischen achtzig "Figur und Klang im Raum" Minuten.
Hannoversche Allgemeine Zeitung
 
 
Ein engagiertes und experimetierfreudiges Ensemble war verdienstvoll am Werke. Das Theater der Klänge setzte mit seinem achtungsgebietenden Projekt genau dort an, wo Schlemmer mit seinen Wirkungsversuchen von Geräuschen und Klängen, Bildzeichen, Sprache und Musik durch die 1928 erfolgte Verabschiedung vom Bauhaus aufhören mußte. Das war kein fertiges Stück, vielmehr ein Entwicklungsprozeß einer multimedialen Komposition, der mit jeder Aufführung zu neuen künstlerischen Entdeckungen führte. Faszinierend das kontrapunktische Zusammenspiel von Licht, Musik und Szene, wobei jedes Element autonom agierte und doch in seiner ästhetischen Wirkung und Beziehung im Raum zugleich Teil des Ganzen war. An dieser bewundernswerten Inszenierung, mit ihrer weitergefaßten Aufarbeitung und Wiederentdeckung verschüttet gebliebener ästhetischer Ansätze, lohnt es sich weiterzuarbeiten.
ZeitPunkt
 
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  25 Jahre THEATER DER KLÄNGE