Megalopolis
 
Seit dem Debüt-Stück die "Mechanische Bauhausbühne" 1987 ist technische Perfektion zum Markenzeichen des Düsseldorfer Ensembles unter der Leitung von Jörg Lensing geworden. Auch das neue Stück besticht durch detailgenaues Zusammenspiel von Choreografie (Carlos Cortizo), Lichtdesign (Christian Schroeder) und Klangteppichen mit Motorengehämmer, Elektro-Beat, sakralen Gesängen und fremdsprachigen Stimmfetzen – musikalische Entwicklung Jörg Lensing, Komposition Thomas Neuhaus.
Die Stärke des Gesamtkunstwerks liegt eindeutig in der musikalischen Neuerung des bizarren Klangteppichs, der atmosphärisch präzise das Bühnengeschehen konzertant dominiert und mit der perfekten Lichtregie harmoniert. Ergebnis: verdienter langer Applaus vom Premieren-Publikum.
Neue Rhein Zeitung
 
 
Das erste Experiment von Jörg Lensing und Thomas Neuhaus – ehemalige Studienfreunde und langjährige Erforscher der Interaktionsmöglichkeiten von Darstellung, Bewegung, Technik und Musik im Bühnenraum – war 1993 "Figur und Klang im Raum", ein damals kühl und technisch wirkendes Geschehen. "Megalopolis" darf man jetzt als die gereifte Fassung dieser Entwicklung sehen, eine, die nun auch die Seele trifft. Und diese Entwicklung ist noch immer nicht abgeschlossen. Lensing und Neuhaus haben sich momentan auf die durch die Akteure mögliche Steuerung der tonlichen Ebene beschränkt. Aber das ist nur ein Aspekt dieses Stückes, und ein gar nicht offensichtlicher. Thema ist das Leben in den Großstädten dieses Erdballs, die Globalisierung, auch in der weltweiten Zusammenarbeit von Künstlern. Zehn Künstler aus zehn Megastädten haben dafür Texte geschrieben – schöne, sehr unterschiedliche Texte. Neun Künstler aus acht Ländern tanzen sie. Originaltöne aus den Großstädten werden eingefangen. Die Texte, in Originalsprache aufgenommen, interagieren mit ihrer auf der Bühne gesprochenen Übersetzung. All das wirkt zusammen. Dazu die Darsteller, die sich in die Atmosphäre der jeweiligen Stadt einfühlen, deren Menschenschlag nachempfinden und sie in vielen kleinen Alltagsszenen lebendig werden lassen. Eine Weltreise von Manila über Kairo, Los Angeles, Osaka, São Paulo, Bombay, Mexico City, Seoul, Tokyo bis nach New York. Das alles in zwei Stunden. Die Reizüberflutung gilt es auszuhalten. "Megalopolis", ein Stück so quirlig, lebendig und anstrengend wie diese Städte eben sind.
Rheinische Post
 
 
In Metaphern, als schnelle Assoziationsketten, in fiktiven Selbstgesprächen oder mit politischem Zeitbezug zeichnen die Texte Stadtlandschaften, die zu Seelenlandschaften werden und so die Hassliebe der Autoren zu den Mega-Citys dieser Welt offenbaren. Das Textmaterial dient den Theatermachern als Grundlage für eine Tanztheaterperformance, in der die Texte von neun Tänzern in Bewegungen umgesetzt und von einem Sprecher und einer Sängerin hörbar gemacht werden. Ihre Stimmen werden, eingebettet in charakteristische Soundscapes der jeweiligen Städte, mit Hilfe von Computern verfremdet und so zu Tonmaterial. Ein funktional einsetzbares Lichtdesign schafft unterschiedliche Räume und Stimmungen, in denen Tänzer und Sprecher agieren können. Statt eines kühl berechneten Hightech-Theaters gelingt es Jörg Lensing (musikalische Entwicklung) und Thomas Neuhaus (Komposition, Programmierung) die Großstadt als Projektionsfläche menschlicher Träume zeitgemäß als unkontrollierbare, gigantische Beziehungsgeflechte darzustellen, zwischen dessen Strängen Momentaufnahmen aus den Metropolen hervorblitzen. Oft genug verlassen sie sich nur auf die charismatische und akzentuierte natürliche Sprechstimme von Clemente Fernandez und die klare Singstimme von Birgit Wegemann, die mit den in Originalsprache gesprochenen Texten den Soundtrack und den Abgesang auf die Megacitys liefern. Sowohl in Manila, als auch in Kairo sucht man den Gott der Stadt, welcher die Menschen fasziniert und abstößt. In Seoul sucht man seine Opferstätten, in Los Angeles findet man ihn beim Film. Die Suche nach dem Gott der Stadt, welcher als Personifikation schon in dem berühmten expressionisitschen Gedicht Georg Heyms beschworen wird, zieht sich als Thema auch durch die Texte der Großstädter.
Westdeutsche Zeitung
 
 
Zwischen Faszination und Fluch schimmern die Texte der zehn, angesehenen Autorinnen und Autoren aus den verschiedensten Ländern... Laut, hektisch, gewalttätig und eng- heissen vielleicht die gemeinsamsten Nenner - und doch gelang es den Komponisten Jörg Lensing und Thomas Neuhaus, die kulturell eigenen Prägungen herauszuarbeiten. Sie komponierten aus dem gesammelten Material ein dichtes Sound-Ambiente, in dem 1 Schauspieler und 9 Tänzer den lebensprallen Alltag in Szene setzen. Spannend! wie allein durch die Lautkulisse die Illusion vom fremdländischen Treiben gelingt. Mit viel Witz und Phantasie und minimalistischen Mitteln entstanden 10 choreografierte Abgesänge auf das Leben in der Millionenstadt. Inspirationen fand das "Theater der Klänge" in zahlreichen Bildbänden und Filmen, vor allem aber in sich selbst! Im kulturellen Erfahrungsschatz des gezielt international zusammengesetzten Ensembles.
WDR 5 Funkhaus Europa
 
 
Ob Mumbai, Los Angeles oder Kairo - ein einziger, sehr neutraler Bühnenraum reicht für das alles. So sind die 10 Bilder keine Folklore-Show globaler Urbanität, sie sind vielmehr ein sehr komplexes Hör- und Seh-Erlebnis. Getanzt, gesungen, gesprochen, rezitiert und am Mischpult dirigiert. Die Tanz-Compagnie fügt sich nicht nur in den Rhythmus, sie prägt ihn auch. Carlos Cortizo hat in seiner Choreografie fast immer den Grundgestus der Libretto-Gedichte getroffen. Das orientalisch Fließende eines wilden Marathon-Durcheinanders in Kairo. Osaka als Stadt einer melancholischen Erinnerung, wo sich Radfahrer und Fußgänger früher einmal der Zeit überließen. Das krasse Gefälle von Reich und Arm in Mumbai. Die kühl distanzierte, automatisierte Erwerbstätigkeit von Tokio. Mit hoher Sensibilität haben Komponist und Regisseur für eine gute Balance aus leibhaftiger-lebendiger Bühnen-Aktion und ihrer Durchdringung mit technisch produziertem Material gesorgt. So bleibt die Sopranistin Birgit Wegemann in ihrer souveränen Intonation und Stimmführung ebenso präsent, wie der Sprecher Clemente Fernandez. Singend, tanzend, elektronisch zaubernd, sprechend und spielend entfaltet das "Theater der Klänge" in Düsseldorf ein Weltgemälde, bedrohlich chaotisch, manchmal witzig - und findet in seiner Collage, nicht zuletzt durch die achtfache Nationalitäten-Farbigkeit seiner Ensemble-Mitglieder eine Megalopolis-Deutung.
Saarländischer Rundfunk - Blickpunkt Musik
 
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  25 Jahre THEATER DER KLÄNGE