Aktuelles  15.12.2018
 
Das Lackballett
 
Eine Hommage an Oskar Schlemmer
 
Nach der Zerschlagung des Bauhauses und der Verfehmung der dort arbeitenden Künstler fand Oskar Schlemmer, der von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt worden war, Schutz und Arbeit beim Fabrikanten Kurt Herberts. So arbeitete Schlemmer gemeinsam mit einigen weiteren berühmten, ebenfalls in den dreißiger Jahren als "entartet" gebranntmarkten Künstlern in seinen letzten Lebensjahren im Labor für Lacke in den Farbwerken Herberts in Wuppertal. Für das 75. Jubiläum der Firma schuf Schlemmer innerhalb von einem Monat in einem wahren Kraftakt das "Lackballett" für insgesamt sechs Figurinen, die er zusammen mit seinem Bruder Carl baute. "Das Lackballett" wurde nur ein einziges Mal - am 6. Dezember 1941 - im Concordiasaal in Wuppertal aufgeführt.

Zum kommenden 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum nehmen wir das kleine Tanzstück zum Anlass, uns einmal mehr und damit abschließend mit Oskar Schlemmer zu beschäftigen. Wir beleben erstmalig seit 1941 seine Idee zu einem "Lackballett", choreografieren sie neu und interpretieren sie inszenatorisch. Dabei geht es uns nicht um eine Rekonstruktion, die wegen der spärlichen Quellen nicht möglich wäre, sondern um eine Reflexion, eine Hommage und auch ein Requiem auf diesen uns so sehr inspirierenden Künstler.

Insofern wird unser "Lackballett" ein öffentliches Nachdenken zum einen über Oskar Schlemmer, zum anderen über Tanz, aber natürlich auch über das Bilder-Schaffen. Es wird außerdem die tanzende Wiederbelebung seiner Figurinenentwürfe. Dabei stellt uns die heutige Digitaltechnik ein Instrumentarium zur Verfügung, welches die auf der Bühne agierenden Tänzer, Farben und Formen live und online in bewegte Lichtbilder umsetzen kann, was noch weit über das hinausgeht, was Schlemmer in seiner Zeit und mit seinen Mitteln verwirklichen konnte. So aber inspirierte er uns zu unserem Schaffen mit den Mitteln unserer Zeit:

"Ich glaube, daß ein Maler mit einigen wenigen Farben und einigen entsprechenden Formen sein Persönlichstes müsste demonstrieren können - eindeutig, einmalig, einzigartig. Ich möchte eine brausende Malerei, aus Farbe geboren, aus Schatten und Licht, aus Strukturen und Gesetzen, die das Geheimnis bergen und immer wieder die innere Geschichte realisieren."

In diesem Sinne freuen Sie sich auf unsere Uraufführungsserie von "Das Lackballett":

vom 10.-13. Januar 2019 im Forum Freies Theater (Juta) Düsseldorf

und am 31. Januar und 1. Februar 2019 im Dortmunder Theater im Depot.
 
Das Lackballett im Forum Freies Theater Düsseldorf
 
TRIAS Musik seit 17. Oktober 2016 auf CD erhältlich
 
Release der CD am Samstag, 17. Oktober im THEATER DER KLÄNGE Studio
 
Oskar Schlemmer stellte 1919 ein weitestgehend gut dokumentiertes Repertoire von Klaviermusiken (u.a. Händel, Mozart, Haydn, Bossi) zusammen, welches sich aus der klassisch-, romantischen Literatur bediente. Dies zum einen, da er immer damit rechnen mußte ggf. selber am Klavier zu sitzen, zum anderen aber auch da sich seinerzeit kein Komponist anbot mit ihm an einer adäquaten Musik für das triadische Ballett zu arbeiten.

Die einmalige Zusammenarbeit mit Paul Hindemith 1926 zu einer Musik für mechanische Orgel, war für Schlemmer nicht befriedigend, da sie zum einen nur Teile des triadischen Balletts vertonte und dies weitestgehend unabhängig von gemeinsamen Proben mit den Tänzern. Die Musik Hindemiths ist darüber hinaus weitestgehend verloren und von daher kaum rekonstruierbar.

Für die ersten beiden Neu-Interpretationen des "triadischen Balletts" 1968 in Stuttgart und 1977 in Berlin wurden neue Ballett-Musiken in Auftrag gegeben, die beide vom spielerischen Charakter der von Schlemmer ausgewählten Musikstücke stark abweichen.

Der Ansatz zur Neukomposition einer Musik für ein "triadisches Ballett" 2014 ging daher von dem aus, was Schlemmer auch zur Verfügung stand. Wenige unverstärkte Instrumente (Klavier, Soloinstrument, Percussion), die miteinander zum Tanz musizieren. Dabei war jegliche Klanglichkeit erlaubt (auch neue Spieltechniken), die direkt mit diesen Instrumenten erzeugt werden kann. Dies immer in direkter Abhängigkeit oder als Rhythmus- und Impulsgeber für die tanzenden Figurinen. In den "abstrakten" Szenen erweitert sich die Klanglichkeit durch behutsamen Gebrauch elektronischer Modulationen der Instrumentalklänge.

Die Musik wurde vom Komponisten Thomas Wansing quasi als Korrepetitor am Klavier in den Ballet-Proben des THEATERs DER KLÄNGE im Winter 14/15 simultan mitentwickelt und "maßgeschneidert" für die einzelnen Szenen. Im dritten Akt erweitert sich die Tanzmusik nach der jeweiligen Szene um einen kurzen konzertanten Teil, die auch in den Live-Aufführungen gegeben werden.

Für die Einspielung auf CD hat der Komponist die Instrumental-Studioaufnahmen teilweise mit Soundsamples und zusätzlicher Percussion im Editing angereichert, um dem Klangeindruck mehr Dichte und Tiefe zu geben, als dies im Livespiel mit 3 Musikern möglich ist.

Die komplette neue Musik zu "TRIAS - Das triadische Ballett" ist seit 17. Oktober auf CD über den THEATER DER KLÄNGE Webshop erhältlich.
 
CD im Webshop
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